POP ART England / USA

Endlich kann die Ausstellung im Kunsthaus Apolda Avantgarde in der Zeit vom 16. Mai bis 26 Juli 2020 (mit Einschränkungen *) besichtigt werden.

• Roy Lichtenstein, "Crying Girl", 1963, Farblithografie, 43,8 x 59 cm, Courtesy: Sammlung Großhaus, © Estate of Roy Lichtenstein / VG Bild-Kunst, Bonn 2020, Foto: Dennys Hill, Köln

Pop Art: England / USA versammelt die Ikonen der Pop Art – Peter Blake, Richard Hamilton, David Hockney, Allen Jones, Alex Katz, Roy Lichtenstein, Mel Ramos, Andy Warhol und Tom Wesselmann – in einem spannenden Dialog von 80 Werken. Ende der 1950er-Jahre entwickelte sich die Pop Art parallel auf beiden Seiten des Atlantiks und gilt bis heute als letzter Stilwechsel der Kunstgeschichte. Diese, auf unmittelbare Aussage zielende gegenständliche Kunst, stand im programmatischen Kontrast zu den führenden Stilen des abstrakten Expressionismus und des Informel und wurde letztlich zur dominierenden Kunstrichtung der 1960er-Jahre. Ihre Vertreter haben durch ihr Engagement spätere Generationen beeinflusst und sind bis in die Gegenwart als zentrale Figuren anerkannt. Die Pop Art nahm radikal Einfluss auf Kunst, Design, Architektur und Mode und prägt noch heute unser ästhetisches Empfinden.

In den Werken der Pop Art-Künstler klingt deren massentaugliche Konsumierbarkeit, sowie eine Neubestimmung des Kunstbegriffs an. „Pop Art“ leitet sich von „popular“ für „volkstümlich“ ab, kann jedoch auch als „pop“ für „Knall“ verstanden werden. Kein anderer Stil ist so radikal und zugleich als Massenphänomen mit dem Alltagsleben ganzer Gesellschaften verbunden. Dabei hat die Pop Art keinen einheitlichen Stil, sondern ist, unmittelbar einhergehend mit dem Aufkommen der Hippie-Bewegung, Ausdruck eines urbanen Lifestyles der jungen Generation der westlichen Industrienationen.

Die englische Variante entwickelte sich aus der Konfrontation der durch Sparsamkeit und Konsumverzicht geprägten Nachkriegsära mit der Einfuhr von Massenmedien und Konsumgütern amerikanischer Herkunft. Als einer der ersten Künstler verarbeitete Richard Hamilton (1922-2011) diesen Konsumdruck auf ironische Weise. In seinen Collagen aus Fotografien, Plakaten und Reklame karikierte er den american way of life, der aus europäischer Sicht auf Körperkult, Konsumstreben und flacher Unterhaltung basierte. Durch das Kombinieren von Ausschnitten aus frei zugänglichen Bildquellen in Werbung und Zeitschriften konnte das Anliegen Hamiltons, lediglich ein Spiegel der Massenmedien-Kultur zu sein, verdeutlicht werden.
Peter Blake (*1932) hat dieses Stilmittel in seinen Bildkompositionen von Musikern und Filmstars zum Einsatz gebracht und bis zur Imitation weitergeführt: So entstehen gemalte Collagen, vergrößerte, gemalte Postkartenmotive und malerische Adaptionen von Postern. Das Spiel mit der Oberfläche ist typisch für die Pop Art.
David Hockney (*1937) ist bekannt für seine blauen Poolbilder, die in ihrer Farbigkeit die Sonnenseite des kalifornischen Lebens einfangen. Seine intim inszenierten Szenen strahlen auf den zweiten Blick eine kühle Distanz aus, die den inhaltsleeren Illusionismus der Bildszenen offenbart und die Schattenseiten konsumgeprägter Luxuswelten aufgreift.
Allen Jones (*1937) zieht seine Inspiration aus den urbanen Gesellschaften. Die dargestellten Frauen setzt er in ein Spannungsverhältnis zwischen Figuration und gestischer Abstraktion. Dabei nutzt er die visuelle Sprache sanfter Erotik, die bis zu einer fetischistischen Überreizung reicht. Diese provozierenden Bildsprache richtete er gegen die Engstirnigkeit konservativer Landleute.

Die Pop Art in den USA fußt auf dem erwachten Selbstbewusstsein der amerikanischen gegenüber der europäischen Kunst und ist das Ergebnis der Suche nach einer neuen Ausdrucksform in einer aggressiven, von „popular culture“ geprägten Gesellschaft. Die sozialen Umbrüche der 1960er-Jahre, in denen sich der „Amerikanismus“, bestehend aus Fortschrittsglauben, Massenmedien und Hollywood-Star-System, global ausdehnte machten die USA zur kulturellen Weltmacht. New York war das Zentrum und dortige Künstler machten die Trivialisierung der Kunst zur Strategie, um die Utopie dieser Zeit, den American Dream, zu entlarven. Die Künstler wollten Konventionen brechen und die Grenze zwischen Unterhaltungs- und Hochkultur aufzulösen. Motive fanden sie in der Werbung, der Klatschpresse und Filmen. Alles, was dem Massengeschmack gefiel, wurden künstlerisch verarbeitet: Coca-Cola, Blondinen, Autos, Swimming-Pools, Zigaretten... Als banal konnotierte Alltagsgegenstände wurden aus ihrem ursprünglichen Kontext isoliert und mit einem neuen Bedeutungsgehalt zur Kunst erhoben. Jedoch mit einer subversiven Kritik an Kommerz und Konsum, Sexismus und Oberflächlichkeit.

Andy Warhol (1928-1987) überführte das Prinzip der seriellen Reihung, als beleibte Darstellungsform, in seiner „Factory“ direkt auf den Herstellungsprozess selbst, indem er in Fließbandarbeit seine Werke in industrieller Massenproduktion fertigen ließ. Zugleich stellte er die gültigen Kriterien, was ein Kunstwerk sei in Frage.
Roy Lichtenstein (1923-1997) greift in seinen farbkräftigen, aber subtilen Bildern die Ästhetik der Werbung und Comics auf. Er kritisierte in dieser Verbindung die Abgehobenheit der Kunst vom alltäglichen und konsumgeprägten Leben. Die Technik der „Punktierung“ entwickelt er aus der Rastermethode industrieller Illustration, die den Farbeinsatz minimiert, ohne die Wirkung zu reduzieren und den oberflächlichen Schein zu mindern.
Diese plakative Ästhetik findet sich auch in den überlebensgroßen  Porträts von Alex Katz (*1927), die in ihrer vereinfachten, flächenhaften, schablonenartigen Gestaltung, Gesichtsausdrücke aufs Wesentliche reduzieren und Details verschweigt. Dabei bedient sich der Maler der Filmsprache und kommt seinen Figuren und Objekten in „Close Ups“ unmittelbar nahe.
Die Anlehnung an die Plakatmalerei findet sich ebenso bei Tom Wesselmann (1931-2004). Die farbstarken Collagen versinnbildlichen in ihrer Über-Größe und Kollision mit der sexuellen Emblematik des weiblichen Körpers die Hochphase amerikanischer Konsumästhetik.
Mel Ramos (1935-2018) positioniert nackte Hollywoodstars in erotischen, vulgär anmutenden Haltungen auf Konsumgüter und thematisiert die grundlegende Marketingstrategie des: „Sex Sells“. Gegenwärtig bleibt die Ironie, mit der er dieses Kalkül der Werbebranche, zitierend bloß stellt.

Die Künstler der Pop Art erkannten früh, dass die Massenmedien zu einem Wirklichkeitsverlust führen. Sie wollten aufzuzeigen, dass ein schleichender Prozess begonnen hat in dem die Bilder behaupten wirklicher zu sein, als die Realität. Dieser Gedanke erhält vor dem aktuellen Diskurs um fake news und der Vermassung der Bilder durch social media eine erhebliche Brisanz. Das Gedankengut dieser radikalen Kunstbewegung ist gegenwärtiger denn je.

*Das Kunsthaus in Zeiten von Corona

- Gemäß Corona-Prophylaxe dürfen sich nur maximal 30 Besucher mit Mundschutz im Haus aufhalten, sodass der Zugang reguliert wird.
- Verzichtet wird bei der POP-ART-Ausstellung sowohl auf eine Vernissage als auch auf Begleitveranstaltungen.
- Führungen sowie die Ausgabe von Audio-Guides werden ebenfalls entfallen.
- Zudem werden Schutzwände für das Personal im Kassenbereich errichtet, Handläufe und Türklinken werden stündlich desinfizierst, Gesichtsmasken ans Personal ausgegeben und Hinweisschilder aufgestellt.

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