ALBRECHT DÜRER - Meisterwerke der Renaissance

Die Ausstellung mit Werken einer der einflussreichsten, vielseitigsten und wichtigsten Persönlichkeiten der europäischen Kunst ist vom 12. Januar bis 13. April 2020 im Kunsthaus Apolda Avantgarde zu sehen.

Adam und Eva, 1504, Kupferstich © Stift Stams, Zisterzienserabtei

Adam und Eva, 1504, Kupferstich © Stift Stams, Zisterzienserabtei

Albrecht Dürer (1471 Nürnberg -1528 ebenda) zählt zu den genialsten Künstlern der Renaissance. Dem außergewöhnlich umfangreichen Sammlungsbestand der österreichischen Zisterzienserabtei Stift Stams ist die Präsentation von über 100 Holzschnitten und Kupferstichen zu verdanken, die aufgrund ihrer Ausdruckskraft und Perfektion zu den Meisterwerken der Kunstgeschichte gehören.

Die Ausstellung veranschaulicht Albrecht Dürers herausragende künstlerische Bedeutung vor dem biographischen und gesellschaftspolitischen Hintergrund. Die Grundlagen für die unübertroffene Feinheit seiner Linienführung bildete die Lehre als Goldschmied in der Nürnberger Werkstatt seines Vaters. Dieses diffizile, akkurate Handwerk und die Zeichenfertigkeit für dreidimensionale Goldschmiedeobjekte schärften seinen Blick für Detail und Plastizität. So vereinten sich kongenial seine biographischen Voraussetzungen mit der geistigen Strömung der Zeit.

Die vom Humanismus geprägte Heimatstadt Nürnberg sowie die beiden Reisen nach Italien - dem Mutterland der Renaissance - bilden den Nährboden für seine neuzeitlich künstlerische Auffassung.

Die Epoche der Renaissance, die sich auf den antiken Geist zurück besann, stellte den Menschen als Individuum in den Mittelpunkt - die mystisch-geistig orientierte Formensprache des Mittelalters wurde abgelöst von einem weltlichen, mathematisch-wissenschaftlichen Ordnungsprinzip.

Die Studien antiker Vorbilder warf die Frage nach dem Wesen der Schönheit auf, die man in der Darstellung des menschlichen Körpers mit idealen Maßen und Proportionen verwirklicht sah.

Diese wissenschaftliche Erfassung des Menschen fand seinen Niederschlag in Albrecht Dürers theoretischer Schrift „Vier Bücher von menschlicher Proportion“.

1495 gründete Albrecht Dürer seine eigene Werkstatt in Nürnberg. Gleich in den ersten Jahren spezialisierte er sich auf druckgrafische Arbeiten - Holzschnitte und Kupferstiche - , weil er mit dieser reproduzierbaren Technik einen schnelleren wirtschaftlichen Erfolg erzielen konnte.

Durch Albrecht Dürer erhielt die Linie in der Druckgrafik erstmals einen Tonwert. Dunklere Partien wurden eingeführt, von denen sich Helleres als plastische Form abheben konnte. Mit dieser Schwarz-Weiß-Technik erzielte der Künstler Effekte, die man bisher nur in der Malerei zu erreichen wusste: Körperlichkeit, Bewegung, Perspektive, Licht und Schatten werden nun ohne modellierende Farbe nur mit linearen Mitteln zur Anschauung gebracht.

Mit großer Einfühlsamkeit beschrieb Dürer in seinen Druckgrafiken alltägliche, biblische sowie mythologische Szenen, die in der Ausstellung thematisch gegliedert werden:

·         Altes Testament

·         Marienleben

·         Apokalypse

·         Große Passion

·         Heiligenlegenden

·         Apostelfolge

·         Mythologien

·         Volksleben

·         Tierwelten

·         Historienbilder

·         Einzelstudien

Hervorzuheben sind die drei Holzschnittfolgen, die als die „Drei Grossen Bücher“ bezeichnet wurden: in der Bildfolge „Apokalypse" zeichnete Dürer die Weltsicht seiner Zeit, die geprägt war von der Erwartung des Weltuntergangs. In Kontrast hierzu steht das „Marienleben": diese Folge strahlt Innigkeit und Volksnähe aus. Für Dürer, als tief religiöser Mensch, war die „Passion" Christi ein wichtiges Thema, die er in einer großen und kleinen Passions-Folge darstellte.

In der Ausstellung wird zudem die „Ehrenpforte“ Kaiser Maximilians I. präsentiert, die den Stammbaum sowie die Geschichte der Habsburger verherrlicht. 

Höhepunkt der Ausstellung sind die berühmten Blätter, in denen Dürers meisterhafte Darstellung des Lichtes sowie seine Beherrschung der Perspektive und Proportion zum Ausdruck kommt:

„Der heilige Hieronymus im Gehäuse“, „Adam und Eva“ und „Die Melancholie“.

Albrecht Dürer erlangte schon zu Lebzeiten hohen Ruhm. Der Zeitgenosse Erasmus von Rotterdam, Humanist und Theologe, bemerkte: „Albrecht Dürers Größe liegt darin, dass er nur mit den Mitteln des Schwarz-Weiß der Grafik die farbige Malerei des Apelles, des berühmten Malers der Antike, übertreffe. Dürer sei damit in der Lage, Blitze, Donner, Wolken, Feuer und Nebel, sogar die seelische Verfassung und die Charaktere der Menschen zu schildern.“

Die Ausstellung gewährt Einblick in das reiche Schaffen des genialen Künstlers. Sein Werk wird eingebettet in den gesellschaftspolitischen Hintergrund, der zu einem neuen Zeitgeist und wissenschaftsorientierten Ansatz des Künstlers führte. Dürers außergewöhnliches Schaffen steht eng in Zusammenhang mit seiner Geburtsstadt Nürnberg als europäische Handelsmetropole.

Kuratorin der Ausstellung: Susanne Flesche, Kunsthistorikerin

Eine Ausstellung in Kooperation mit dem Stift Stams, Zisterzienserabtei, unter der Schirmherrschaft des Bischofes Dr. Ulrich Neymeyr des Bistums Erfurt.

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