Alma Buscher - Aus Freude am Spiel

Was kaum einer Frau am Bauhaus gelang, konnte Alma Buscher zielsicher für sich durchsetzen: Sie „befreite“ sich aus der Frauenklasse, der Weberei, und wechselte in eine Männerdomäne, die Tischlerwerkstatt. Dort vollbrachte sie meisterhaftes: Ob Kindermöbel oder Spielzeug - ihre Entwürfe begeisterten.
Worin lag ihr Erfolgsgeheimnis? Alma Buscher setzte sich intensiv mit pädagogischen Konzepten, mit den Bedingungen und Möglichkeiten kindlichen Spielens auseinander. Dadurch gelang es ihr, die Gestaltungsprinzipien des Bauhaus‘ bestmöglich mit den kindlichen Bedürfnissen zu vereinen.
Farb- und Formgebung weckten Neugier und Forscherdrang, regten das Kind zur Kreativität an und ließen Raum zur freien Entfaltung.
Möglichst viele Kinder sollten Spaß an ihren Entwürfen haben, daher arbeitet Alma Buscher zielstrebig daran, sie zur seriellen Fertigung zu bringen. Ihr bekanntestes Bauspiel, das Schiffbauspiele, wird heute wieder produziert – leider eher als Design-Objekt denn als Kinderspielzeug.

Gunta Stölzel - Unermüdliches Engagement

Nach Lektüre des Bauhaus Manifest von Walter Gropius stand für Gunta Stölzl fest: In Weimar möchte ich studieren. Sie reichte ihre Bewerbung ein und wurde angenommen. Zunächst orientierte sie sich in Richtung Glas- und Wandmalerei, stellte jedoch bald fest, dass ihre Interessen in Richtung Textilgestaltung zielten. Zusammen mit zwei Kommilitoninnen entwickelte sie daraufhin die Idee einer Frauenklasse, die bei Gropius auf fruchtbaren Boden fiel. Aus dieser Frauenklasse entstand wenig später – wieder auf Initiative Gunta Stölzls – die Weberei. Hier bot sich den Studentinnen eine große Spielfläche. Zwar mussten sie ihre Fähigkeiten und Kenntnisse zum Großteil autodidaktisch erwerben, jedoch ergab sich aus dem Fehlen geeigneten Lehrpersonals auch eine große Chance: es konnte frei experimentiert werden, ohne Vorgaben hinsichtlich Techniken, Material, Farb – oder Formgebung beachten zu müssen. Gunta Stölzl übersetzte ihrerseits die Gestaltungsprinzipien des Bauhaus‘ in die Weberei. So entstanden beachtenswerte Werke, in denen geometrische Formen und abstrakte Bildkompositionen vorherrschten.
Dank des außergewöhnlichen Engagements und der unermüdlichen Energie Gunta Stölzls, die in Dessau zur ersten und einzigen Werkstattmeisterin berufen wurde, entwickelte sich die Weberei von ihren dekorativen Anfängen hin zu einem professionellen und profitablen Industriezweig. Der Spagat zwischen moderner Kunst, Architektur und Massenproduktion war gegen Ende der zwanziger Jahre bei den Bauhausstoffen gelungen.

Ida Kerkovius - Die Kunst zu Lieben

Der Lebensweg von Ida Kerkovius ist bemerkenswert. Eine Künstlerin werden und Neues schaffen waren ihre sehnlichsten Wünsche. Diesen folgte sie unbeirrt, was für die Frauen der damaligen Zeit wahrlich nicht üblich war. Sich den gängigen Konventionen entgegenzustellen und seiner Berufung zu folgen erforderte Mut und Beharrlichkeit.
Entscheidend für die künstlerische Entwicklung von Ida Kerkovius ist das Jahr 1903, in welchem sie eine Lehre bei Adolf Hölzel beginnt. Er lehrt sie vor allem die Anwendung einer einfachen Form- und Farbesprache, welche es geschehen lässt, das in der Natur Gesehene trotz Vereinfachung sichtbar werden zu lassen.
Was trieb Ida Kerkovius an? Ihr Neugier und das Bestreben, sich stetig weiterzuentwickeln hatten diese Kraft. 1920, im Alter von 41 Jahren, entschied sie sich nach Weimar ans Bauhaus zu gehen. Die Studien hier führten sie zu einer intensiven Beschäftigung mit der Organisation der Bildfläche und revolutionierten ihre Arbeit nochmals.
Ida Kerkovius liebte und lebte die Kunst Zeit ihres Lebens.

Marguerite Friedlaender - Eine Fügung des Schicksals

Von Frankreich über England führte Marguerite Friedlaenders Weg sie nach Thüringen. Hier stellte ein Bauhaus-Prospekt die Weichen für ihren weiteren Lebensweg. Die Idee, Handwerk und Kunst untrennbar zu verschmelzen und dadurch der Kunst den Einzug in das Alltagsleben zu ermöglichen, faszinierte sie. Schien diese doch das zu ermöglichen, was ihr in ihrem bisherigen künstlerischen und handwerklichen Tun fehlte. Im Jahr 1919 begann M. Friedlaender ihr Studium am Weimarer Bauhaus. Mit dem Eintritt in die Keramikwerkstatt entschied sie sich für einen steinigen Weg, gab es doch beträchtlichen Widerstand gegen die Aufnahme von Frauen in die Töpferei. Mit Willensstärke parierte sie jedoch alle Anfeindungen und zeigte bereits nach kurzer Studienzeit, dass sie zu den Besten gehörte. Ihre Werke der Dornburger Zeit lassen klar die Gestaltungsprinzipien des Bauhaus‘ erkennen – Reduktion auf die Grundformen und betonte Schmucklosigkeit mit Fokus auf die Funktionalität.
Die Zeit am Bauhaus prägte entscheidend M. Friedländers handwerkliche und künstlerische Entwicklung im Keramikdesign und wirkte in ihren späteren Arbeiten nach. Auf Burg Giebichenstein bei Halle – hier hatte sie als erste weibliche Töpfermeisterin Deutschlands die Leitung der Keramikabteilung inne – entstanden Werke mit betont schlichten Formen, die zu Ikonen der Moderne werden sollten.

Marianne Brandt - Eine Ausstellung, die alles verändert

Im Jahr 1923 stellte der Besuch der Bauhaus-Ausstellung in Weimar das Leben der 30 jährige Marianne Brandt grundlegend auf den Kopf. Ihr eröffneten sich plötzlich die vielfältigen Möglichkeiten des künstlerischen Schaffens. Ausgebildet in der Malerei und Bildhauerei stellte sie alles bisher Erlernte und Erarbeite in Frage. Im Ergebnis dessen verbrannte sie ihre gesamten Gemälde im alten Stil. Frei von „Altlasten“ begann Marianne Brandt ihre Ausbildung am Bauhaus. Auch hier schlug sie mit ihrem Eintritt in die Metallwerkstatt einen für Frauen ungewöhnlichen Weg ein. Dass sich dieser, trotz anfänglicher Schikanen, als die richtige Wahl erwies, zeigte sich schnell an ihren grandiosen Entwürfen. Bereits nach kurzer Lehrzeit setzte sie neue Maßstäbe für das Metalldesign der klassischen Moderne. Sie entwickelte Formen mit schlichter Eleganz und unterschwelliger Extravaganz ohne dabei die Funktionalität aus den Augen zu verlieren. Marianne Brandt verfolgte ihren neuen Weg ehrgeizig und zielstrebig, zusammen mit Wilhelm Wagenfeld entwarf sie mehr als 50% aller in der Metallwerkstatt umgesetzten Modelle. Zudem initiierte sie zahlreiche Verträge mit namhaften Firmen, welche ihre Entwürfe zur Ausfertigung brachten. Nach ihrer Zeit am Bauhaus kamen ihre Begabung, ihr Ideenreichtum und hohes Niveau den Ruppelt-Werken in Gotha zugute, deren Kollektion sie revolutioniert. Auch heute werden einige ihrer Prototypen wieder hergestellt.

Neben der Metallwerkstatt, beschäftigte sich Marianne Brandt leidenschaftlich mit der Fotografie. Die künstlerischen Ausdrucksmöglichkeiten dieses neuen Metiers zogen sie in ihren Bann. Marianne Brandts fotografischen Werke zeugen davon, wie hervorragend sie dieses Arbeitsgebiet beherrschte. Neben experimentellen Fotografien schuf sie auch bedeutende Fotomontagen, von den heute noch etwa 30 erhalten sind. Mit Esprit und gesellschaftskritischem Feinsinn bildete sie unterschiedlichste Themen ab, von der Großstadt über den Film bis hin zum Militarismus.

Bauhaus in Thüringen

Die Revolution des Designs begann vor 100 Jahren – im thüringischen Weimar. Hier gründete Walter Gropius 1919 die wichtigste und einflussreichste Gestaltungshochschule des 20. Jahrhunderts: das "Staatliche Bauhaus".


2009 waren Weimar, das Weimarer Land, Jena und Erfurt der Mittelpunkt des Bauhaus-Jubiläums. Mit beeindruckenden Ausstellungen und Veranstaltungen wurde in Thüringen an die Geburt der Avantgardeschule erinnert, deren weltumspannendes Nachwirken bis heute andauert.


Dieses kulturelle Ereignis und dessen Protagonisten werden im Jahr 2019 an zahlreichen Orten in Szene gesetzt.
Den aktuellen Katalog dazu finden Sie HIER.


Lyonel Feininger war einer der ersten, der von Walther Gropius zur Bauhaus-Gründung nach Weimar gerufen wurde. Die Motive seiner Werke im Weimarer Land können Sie auf der Radrundfahrt erleben:

Rundfahrt "Auf Feiningers Spuren" im Weimarer Land

Weitere Informationen:
Internetseite

© VG Bild-Kunst, Bonn 2019

Seite empfehlen

Hier entdecken Sie mehr von Thüringen.Thüringen Tourismus - Urlaub und Reisen in Thüringen